Angst

20 % aller Menschen haben schon einmal im Verlauf ihres Lebens während längerer Zeit unter Angst gelitten. Aus Scham, Unsicherheit und Unwissen kommt es oft erst zur Behandlung, wenn vielfältige Komplikationen aufgetreten sind. Angsterkrankungen können in der Regel gut behandelt werden.

Was ist Angst?

Angst ist ein normales Gefühl, ein normaler und notwendiger Teil unseres Lebens, genauso wie z. B. Zorn oder Freude.

Angst tritt in der Regel als Reaktion auf bedrohlich beurteilte Ereignisse auf (Alarmsignal), Angst äußert sich in unserem Verhalten, unseren Gedanken und Gefühlen sowie in unseren körperlichen Reaktionen.

Angstreaktionen können, was sowohl die Intensität als auch die Form betrifft, sehr unterschiedlich aussehen.

Angst hat viele Gesichter. Einige grundlegende Ängste, die alle Menschen teilen, sind die vor Krankheit, Schmerzen, Dunkelheit, Einsamkeit, Trennung und Verlust. Bei fast allen Menschen kommt es im Verlauf des Lebens zu plötzlichen Angst-/Schreckreaktionen, z. B. einer gefährlichen Situation im Straßenverkehr oder es gibt Angstgefühle vor möglicherweise unangenehmen Situationen, wie z. B. Angst vor einer schwierigen Prüfung. Dazu gehören bestimmte Körperempfindungen, z. B. die Beobachtung, nicht richtig durchatmen zu können, Erstickungsgefühle, Flimmern vor den Augen, Taubheits- und Kribbelgefühle.

Angst hat viele Gründe

Die meisten Situationen, in den wir Angst verspüren, werden im Laufe unseres Lebens erlernt, d.h. ein bereits unangenehmes oder beängstigendes Erlebnis kann dazu führen, dass man in einer ähnlichen Situation massive Angstbeschwerden durchleidet oder dieser Situation aus dem Weg geht.

Wozu haben wir Angst?

Angst ist sinnvoll und notwendig als automatische, also unbewusste, schnelle "Alarmreaktion". Die typischen und oft extrem schnell eintretenden körperlichen Veränderungen, die mit Angst verbunden sind, dienen der Vorbereitung des Körpers auf schnelles Handeln, z. B. rasches Weglaufen.

Wie äußert sich Angst?

Angst besteht immer aus einem

  1. körperlichen Anteil, z. B. Herzrasen, Schwitzen und Verspannung der Muskulatur,
  2. dem gedanklichen und gefühlsmäßigen Anteil wie z. B. der Furcht davor, die Kontrolle zu verlieren, einen Herzanfall zu erleiden oder zu sterben und
  3. dem Verhalten, dass Sie in einer solchen Situation zeigen. Sie wenden sich z. B. aus Angst ab, flüchten oder gehen kritischen Situationen von vornherein aus dem Weg.

Was sind Angststörungen und wie unterscheiden sie sich von normalen Ängsten?

  • Angststörungen sind Erkrankungen, die man an bestimmten Symptomen erkennen kann.
    • Wir bezeichnen Angstzustände als Krankheit wenn sie unangemessen, zu stark und zu häufig auftreten und lange anhalten,
    • belasten und starkes Leiden verursachen,
    • zur Vermeidung wichtiger Aktivitäten führen.
  • Bei allen Angststörungen können bestimmte Lebensereignisse, Stress und Überlastung kurz- und langfristiger Art eine entscheidende Rolle Spielen.
  • Manche Angststörungen können langfristig zu Depressionen, Medikamenten- und Alkoholmissbrauch führen.

Angst wird zur Krankheit, wenn ...

  • sie unangemessen stark ist,
  • sie zu häufig und zu lange auftritt...
  • man die Kontrolle verliert ...
  • man Angstsituationen vermeiden muss ...
  • man stark unter ihr leidet.

Welche Angststörungen gibt es?

Angsterkrankungen treten bei ca. 13 % aller Menschen auf. 10 % aller Menschen leiden im Laufe ihres Lebens so stark, häufig und andauernd unter Ängsten, dass es zu Vermeidungsverhalten, ausgeprägtem Leiden und deutlichen Einschränkungen im alltäglichen Leben kommt, d. h. in Bottrop leiden 12.000 Menschen an irgendeiner Form von Angst.

Die häufigst vorkommenden Angststörungen sind

  • die Panikstörung,
  • die generalisierte Angststörung,
  • die Agoraphobie (Platzangst)
  • die soziale Phobie,
  • die spezifische Phobie

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Essstörungen


Unter dem Begriff Essstörungen versteht man im Wesentlichen vier Krankheitsbilder. Die Abgrenzung der einzelnen Krankheitsbilder ist schwierig, da die Übergänge fließend sind. So wird bspw. beobachtet, dass eine Patientin mit Magersucht auch Essattacken haben kann. Nicht selten entwickelt sich dann aus der Magersucht eine Ess-/Brechsucht. Seltener entsteht aus der Ess-/Brechsucht eine Magersucht. Kontroverse Meinungen herrschen darüber hinaus bei der Diagnose von latenter Esssucht oder Binge-Eating-Disorder (BED). BED ist der Ess-/Brechsucht sehr ähnlich. BED ist durch eine übermäßige Nahrungsaufnahme gekennzeichnet. Die Speisen werden jedoch nicht erbrochen. Vor allem Übergewichtige sollen betroffen sein.

  • Magersucht (Anorexia nervosa)
  • Ess-/Brechsucht (Bulimie)
  • Übergewicht (Adipositas)
  • Latente Esssucht

Magersucht (Anorexia nervosa)


Zentrales Leitmotiv der anorektischen Patienten ist, ein minimales normales Körpergewicht zu halten bzw. zu erreichen. Es besteht eine ausgeprägte Angst vor Gewichtszunahme, trotz bestehenden Untergewichts, eine Wahrnehmungsstörung bezogen auf Figur und Gewicht bzw. eine übermäßige Bedeutsamkeit von Gewicht und Figur im Selbstkonzept der Patientin sowie ein Fehlen der Monatsblutung.

Verbunden ist der Wunsch nach extremer Schlankheit mit dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Magersüchtige sind auffallend dünn, stehen nicht mehr im Kontakt zu ihrem Körper. Wichtig ist ihr Kopf, der kontrolliert und steuert. Die Kontrolle gibt ihnen das Gefühl, autonom und unabhängig zu sein. Betroffene kochen gern und viel für andere, essen selbst davon jedoch nichts oder täuschen das Essen vor.

Im Verlauf der Erkrankung kapseln sich Betroffene immer stärker ab. Dringender Handlungsbedarf für Angehörige und Freunde besteht, wenn Betroffene apathisch reagieren, nur noch mit leidender Stimme sprechen, kraftlos sind und bei dem kleinsten Konflikt mit Weinen reagieren. Dies sind Alarmsignale, die als ersten Schritt einen Arztbesuch nötig machen.


Diagnosekriterien für Magersucht:

  • Ein Körpergewicht von mindestens 15% unter dem erwarteten oder ein BMI von kleiner/gleich 17,5
  • Gewichtsverlust von 20 % vom Ausgangsgewicht innerhalb kürzester Zeit (ca. 3 bis 4 Monate).
  • Der Gewichtsverlust ist selbst herbeigeführt, z. B. durch streng kontrollierte und eingeschränkte Nahrungsaufnahme, Vermeidung hochkaloriescher Speisen, übertriebene körperliche Aktivität, selbst induziertes Erbrechen oder Abführen
  • ständiges übertriebenes gedankliches Kreisen um Nahrung und Figur, Perfektionismus.
  • Stoffwechselstörung, die sich in Form einer fehlenden Monatsblutung zeigt
  • Verzögerte Pubertäre Entwicklung
  • Körperschemastörung: D. h. auch bei einem vorhandenen Untergewicht bezeichnen sich Betroffene als "fett", extremer Angst vor Gewichtszunahme, fehlende Krankheitseinsicht.
  • Die körperlichen Folgeschäden sind Absinken des Stoffwechsels, des Pulses, des Blutdrucks und der Körpertemperatur, was zu Müdigkeit, Frieren und Verstopfung führt. Trockene Haut, brüchige Haare zeigen die hormonellen Veränderungen an, die sich auch im Ausbleiben der Menstruation und im Extremfall auch in eine Veränderung der Körperbehaarung äußern. Bei einer Krankheitsdauer von mehreren Jahren kommt es als Folge der hormonellen Veränderungen zur Osteoporose.

Ess-/Brechsucht (Bulimie)


Vom äußeren Erscheinungsbild her sind bulimische Frauen/Männer unauffällig, meist schlank. Auch ihr Essverhalten ist in der Öffentlichkeit eher kontrolliert. Nach außen hin funktioniert alles perfekt. Bulimie ist eine schambesetzte und heimliche Essstörung. Betroffene ekeln sich vor sich selbst, haben das Gefühl abnorm zu sein. Sie tun alles, um ihre Essanfälle und das danach Folgende (Erbrechen oder Abführmittelmissbrauch) ungeschehen zu machen, die Kalorienzufuhr zu verheimlichen.
Im fortgeschrittenen Stadium kommt es vermehrt zur sozialen Isolation und depressiven Verstimmungen. Um ihren Heißhungerattacken nachgehen zu können, vernachlässigen Betroffene häufig Interessen und den Kontakt zu anderen Menschen.


Diagnosekriterien für Bulimia nervosa:

  • mindestens zwei Essattacken pro Woche über drei Monate,
  • Aufnahme großer Mengen, meist leicht verzehrbarer und kalorienreicher Nahrungsmittel
  • Das Gefühl, das Essverhalten während der Anfälle nicht mehr unter Kontrolle halten zu können und im Anschluss an diese Attacken, der Versuch, dem dickmachenden Effekt durch verschiedene Verhaltensweisen entgegenzusteuern.

Das Ungeschehenmachen der Kalorienzufuhr wird durch selbstinduziertes Erbrechen, Medikamentenmissbrauch (Abführmittel und/oder Entwässerungstabletten) und/oder Diät-/ Fastenphasen und/oder übermäßige körperliche Betätigung versucht herbeizuführen.

  • Es besteht eine andauernde übertriebene Beschäftigung mit Figur und Gewicht. Krankhafte Furcht davor, dick zu werden, scharf definierte, sehr niedrig persönliche Gewichtsgrenze.
  • In der Vorgeschichte von Betroffenen finden sich häufig magersüchtige Phasen. Auch im Verlauf der Bulimie kann es wieder zu Magersucht kommen. Essstörungen können sich immer wieder verlagern. Besonders Magersucht und Ess-/Brechsucht haben fließende Grenzen.

Übergewicht (Adipositas)


Adipositas liegt bei einem beträchtlichen Übergewicht vor und zwar bei einem sogenannten BMI von 30 und höher. Es handelt sich dann um eine therapiebedürftige Fettleibigkeit.

BMI heißt Body-Maß-Index. Dieser errechnet sich nach folgender Formel: Körpergewicht gemessen in Kilogramm geteilt durch Körperlänge gemessen in Meter zum Quadrat.
Beispiel: Jemand, der 170 groß und 61 kg schwer ist, hat einen BMI von 61 : (1,7 x 1,7) = 21,1. Die Zahl, die man bei dieser Rechnung erhält, zeigt an, ob das individuelle Körpergewicht im grünen Bereich liegt.

Bei Frauen ist ein BMI von 20 - 24, bei Männern von 20 - 25 normal.

Übergewicht besteht bei einem BMI von 25 - 30 (bei Frauen) und 26 - 30 (bei Männern). Hierbei besteht häufig weder eine Einschränkung der Lebensqualität noch ein erhöhtes Krankheits- oder Sterberisiko.

Bei Menschen mit Adipositas sollten regelmäßig die Risikofaktoren geprüft werden. Ihre körperliche Belastbarkeit ist in der Regel reduziert. Sie sind in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, leiden demzufolge häufig an Bewegungsmangel, der das Symptom in einen Teufelskreis verstärkt. Adipositas wird bereits in sehr frühem Alter beobachtet, gelangt aber wegen des zunehmenden Schweregrades in vielen Fällen erst in der Vorpubertät zur Vorstellung in der ärztlichen Praxis.


Latente Esssucht


Betroffen sind Menschen, die ständig Probleme mit ihrem Gewicht haben, die immer wieder eine Diät ausprobieren und anschließend wieder zunehmen. Die Grenzen sind fließend. Häufig ist die latente Esssucht der Einstieg in eine wirklich massive Essstörung. Natürlich sind nicht alle Menschen, die ihr Gewicht kontrollieren, latent esssüchtig. Es ist aber Zeit etwas zu verändern, wenn man immer in der Angst vor einer Gewichtszunahme lebt, wenn man nicht mehr auf die eigenen Bedürfnisse und Körpersignale hört und wenn man nicht mehr entspannt essen und genießen kann.


Die Diagnosekriterien für latente Esssucht

  • hohe Gewichtsschwankungen innerhalb kurzer Zeit, z. B. (5 kg in zwei Wochen) Jojo-defekt.
  • Ständige Auseinandersetzung mit dem Körpergewicht, Angst vor einer Gewichtszunahme.
  • Fehlendes Vertrauen in die eigenen Bedürfnisse und Körpersignale.
  • Unvermögen von spontaner Befriedigung des Hungers und des entspannten Genießens, Wechsel zwischen Zuviel-Essen und Diät-Halten.

Essstörungen stellen ein ernst zu nehmendes gesundheitliches Problem dar. Obwohl sich Betroffene der unterschiedlichen Krankheitsbilder unter anderem in ihrem Erscheinungsbild beträchtlich unterscheiden, ist es doch allen Essgestörten gemeinsam, dass das lebensnotwendige Essen ein erhebliches psychosomatisches Problem, oft mit körperlichen, psychischen und sozialen Konsequenzen, geworden ist.

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Demenz


Immer mehr Menschen leiden an der Demenzerkrankung. Demenz ist nicht heilbar, doch lässt sich ihr Verlauf verlangsamen, begleitende Einschränkungen lassen sich lindern und es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Zugänge zu schaffen, die Kommunikation wieder möglich zu machen und eine tragfähige Beziehung aufzubauen. Dadurch lässt sich die Lebensqualität der Menschen mit Demenz und ihren Helfern positiv beeinflussen. Die Kenntnis hierzu ist jedoch nicht sehr verbreitet und löst pessimistische Beurteilungen sowie bei allen am Hilfeprozess beteiligten Personen, Demotivations- und Frustrationsprozesse aus.

Kommunikationshilfen helfen mit, mit der vom Versinken bedrohten Persönlichkeit Kontakt zu halten.

Die Grundvoraussetzung für die Arbeit mit Menschen mit Demenz ist, seine Persönlichkeit, seine Lebensgeschichte, seine Vorlieben, Abneigungen und Bedürfnisse kennenzulernen und dadurch sein Verhalten besser interpretieren und darauf reagieren zu können.


Was ist Demenz?


Es ist eine Ansammlung vieler Symptome:

  • Gedächtnisprobleme.
  • Probleme bei der Beurteilung von Situationen und
  • Beeinträchtigung des logischen Denkvermögens.
  • Es führt zu Schwierigkeiten in der Kommunikation,
  • in der Alltagsbewältigung,
  • in der Selbstpflege und es führt zu
  • Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen.

Die häufigste Demenzerkrankung ist die Alzheimer-Demenz. Die Begleitung und Pflege von Menschen mit Demenz ist aufreibend und schwierig, vor allem können Kommunikationsprobleme an den Nerven der Pflegenden und der Betroffenen zerren.
Immer mehr Menschen leiden an einer Demenzerkrankung. In Bottrop leben zur Zeit 121 161 Einwohner, 18,5 % sind 65 Jahre und älter. Etwa 2500 Bürger-/innen aus dieser Altersgruppe leiden in Bottrop an einer schweren oder mittelschweren Demenzerkrankung.

Demenz ist nicht heilbar, doch lässt sich ihr Verlauf medikamentös verlangsamen, begleitende Einschränkungen lassen sich lindern und es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Zugänge zu schaffen, die Kommunikation wieder möglich zu machen und eine tragfähige Beziehung aufzubauen.

Als mögliche Ursache einer Demenz lassen sich folgende große Gruppen unterscheiden.

An erster Stelle stehen neurodegenerative Prozesse, bei denen Nervenzellpopulationen zugrunde gehen. Die häufigste und bekannteste ist die Alzheimer-Krankheit.
Weitere Erkrankungen, die zu dieser großen Gruppe zählen, sind die Parkinson-Erkrankung, die Lewy Körperchen Krankheit und die frontotemporalen Degenerationen, d.h. Veränderungen, die im seitlichen und vorderen Bereich des Gehirns stattfinden.

Am zweithäufigsten sind cerebrovaskuläre Erkrankungen, d.h. Gehirnerkrankungen, die aufgrund von Veränderungen in oder an den Gefäßen im Gehirn entstehen, z.B. nach einem Schlaganfall.

Zusammen machen diese beiden Gruppen mehr als 90 % aller Demenzzustände aus. Weitere Ursachen sind Infektionen des Gehirns, auf die nicht näher eingegangen werden soll.

Das klinische Bild ist von der Lokalisation, d.h. dem Ort des Geschehens, bestimmt.


Alzheimer-Krankheit


Der Ort ist bevorzugt im Seiten- und Scheitelbereich des Gehirns mit Nervenzellverlust und Ablagerungen von Beta-Amyloid, ein bestimmtes Eiweiß.

Ursachen:
Eine zentrale Bedeutung hat die Ablagerung von Beta-Amyloid, genetische Risikofaktoren begünstigen die Ablagerung. Diese Eiweißablagerung und Veränderungen kleinster Nervenfasern führen zur Vernichtung von Nervenzellen.

Symptome:
Das Frühstadium ist durch eine fortschreitende Minderung des Kurzzeitgedächtnisses, der Orientierungsfähigkeit, des sprachlichen Ausdrucksvermögens gekennzeichnet.

Komplizierte Alltagsaufgaben können nicht mehr bewältigt werden.

Im mittleren Stadium treten Störungen des Langzeitgedächtnisses und Störungen des Denkvermögens hinzu, des weiteren Unruhe, Reizbarkeit, emotionale Labilität oder Aggressivität.

Im Spätstadium besteht ein hochgradiger intellektueller Abbau und vollständige Pflegebedürftigkeit. Die körperlichen Krankheitszeichen sind Inkontinenz, Gehstörungen, Unfähigkeit zur Kontrolle der Körperhaltung, Krampfanfälle und Schluckstörungen.

Verlauf:
Die Symptome sind schleichend, allmählich fortschreitend, als Überlebensdauer wird gerechnet ab dem ersten Krankheitszeichen neun Jahre, vom Zeitpunkt der klinischen Diagnose sechs Jahre.

Die Folgen für unsere Situation:
Übereinstimmend zeigen Studien einen steilen Altersanstieg der Prävalenzraten, d.h. der Eintritt der Erkrankung verdoppelt sich nach jeweils fünf Altersjahren, im Alter von 65 bis 69 Jahre leiden 1 % an einer Demenz, im Alter von 80 bis 84 Jahren 13 %.

Als Faustregel kann gelten, dass etwa Zweidrittel der dementiellen Störungen durch die Alzheimer-Krankheit verursacht werden. Auf vaskuläre (gefäßbedingte) Demenzen sowie auf eine Vielzahl sonstiger Ursachen entfallen jeweils bis zu 20 % der Erkrankungen.

Für die Veränderung der Anzahl der von Demenz betroffenen Personen in Deutschland ist vor allem die demographische Entwicklung maßgebend. Eine Hochrechnung zum Jahr 2050 ergibt eine Verdoppelung der Anzahl an 80- bis 84-Jährigen.

Nach einer Modellrechnung ist anzunehmen, dass die Zahl der Demenzkranken in Deutschland von 1,13 Mio. im Jahr 2000 auf 2,8 Mio. im Jahr 2050 ansteigen wird. Angesichts der Situation, in der es schon gegenwärtig nicht gelingt, die bekannten, d.h. bereits diagnostizierten Demenzpatienten pflegerisch und medizinisch entsprechend dem Stand des Wissens zu versorgen, lässt sich die gewaltige Herausforderung ermessen, die in naher Zukunft durch die zusätzlichen hochbetagten Demenzpatienten auf die deutsche Gesellschaft zukommen. 34 % der Männer über 80 und 65 % der über 80-jährigen Frauen leben bereits heute in Ein-Personen-Haushalten. Der Rückgriff auf eigene Kinder wird für die gegenwärtige Erwerbsgeneration theoretisch höchstens zu Zweidrittel möglich sein. Damit erhöht sich der Druck auf institutionelle Pflegeeinrichtungen mit der Folge höherer finanzieller Belastungen.

Der kommende Anstieg der Zahl von Demenzpatienten in Deutschland macht diese Krankheit zu einem erstrangigen Thema der Gesundheitspolitik.

Stand der Diagnostik:
Erhebungsinstrumente sind kurze >>Screeningstests zur Identifikation von kognitiven Störungen und zur Abgrenzung gegen das gesunde Alter: z.B. der DemTect, etwas ausführlicher ist der SKT.

Beide Tests können am Gesundheitsamt durchgeführt werden.

Der am häufigsten eingesetzte Demenztest ist der Minimental-Status-Test, dessen Sensitivität aber geringer ist als die der beiden vorgenannten Verfahren.

Weit verbreitet ist die neuropsychologische Testbatterie, die CIRAD-NP, diese verlangt jedoch einen Zeitaufwand von 30 Minuten.

Zur Erfassung von Einschränkungen der Alltagsbewältigung wird die Noska-Skala herangezogen, sowie Skalen zur Abbildung nicht kognitiver Symptome wie NPI.

>>Der Uhrentest, >>der DemTect-Test, der Minimental-Test, der SKT und >>die Noska-Skala werden zur Diagnostik regelmäßig in der Demenzsprechstunde im Gesundheitsamt eingesetzt. Zur Veranschaulichung und Überprüfung können Sie sich bereits im Internet ein eigenes Bild über die Fragestellung dieser Testverfahren machen.
Klicken Sie dazu auf die einzelnen Tests.

Wichtige Informationen für den Ausschluss anderer Demenz verursachender Hirnerkrankungen liefern, neben einer gründlichen körperlich-neurologischen Untersuchung, Laborbestimmungen und strukturdarstellende, bildgebende Verfahren wie das CCT und das MRT (beide Verfahren geben Auskunft über Hirninfarkte, Tumore, Blutungen oder Missbildungen). Der Sicherheitsgrad der Diagnose lässt sich durch bildgebende Verfahren, durch neurochemische Untersuchungen und durch genetische Bestimmung erhöhen. Hier können morphologische Veränderungen im Hippokampusbereich - das Hirnareal, das am frühesten und stärksten betroffen ist - gesehen werden, ebenso atrophische Veränderungen, also Rückbildungen der Hirnsubstanz bei Alzheimer-Patienten.

Im Abstand von rund einem Jahr ist bei Alzheimer-Betroffenen eine Zunahme dieser Strukturveränderung um rund 10 Prozent nachweisbar, die bei kognitiv gesunden gleichaltrigen Personen 10-mal geringer ist.

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Depressionen


Depressionen sind psychische Störungen, bei denen folgende wesentliche Merkmale auftreten:

  • Niedergeschlagenheit
  • Freudlosigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Interesseverlust

Depressionen sind die häufigsten psychischen Beeinträchtigungen, die meist mit körperlichen Beschwerden einhergehen und bei denen die Abgrenzung zu normalen Reaktionen im Leben klinisch sehr schwer ist.

In der Allgemeinmedizinischen Praxis wird der Hausarzt wahrscheinlich am häufigsten mit dieser Krankheit konfrontiert. Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass etwa 17% der Gesamtbevölkerung im Laufe ihres Lebens (Lebenszeitprävalenz) an einer Depression erkranken; das sind 20 570 Bürger der Stadt Bottrop.

Deutlich höher ist die Zahl der Ersterkrankungen bei jenen Patienten, die den Hausarzt aufsuchen. Verschiedene Fragebogenstudien haben gezeigt, dass zwischen 12 und 25% der Patienten an einer Depression unterschiedlichen Ausmaßes leiden.
Umgerechnet auf die Bottroper Bürger leiden danach bis zu 30 250 Menschen in Bottrop an einer Depression, wobei bei mehr als der Hälfte der Patienten das Krankheitsbild unerkannt bleibt.


Die folgenden Fragen können Hinweise für eine Depression sein:

  1. Leiden Sie seit mindestens 2 Wochen an einer depressiven Stimmung?
  2. Haben Sie ein deutlich vermindertes Interesse oder einen deutlich verminderten Freudeverlust?
  3. Verspüren Sie verminderte Energie oder erhöhte Ermüdbarkeit?
  4. Ist es zu einem Verlust Ihres Selbstvertrauens gekommen?
  5. Machen Sie sich unbegründet Selbstvorwürfe oder unangemessene Schuldgefühle?
  6. Haben Sie Todesgedanken, Freitodgedanken?
  7. Haben Sie Schwierigkeiten mit der Konzentration oder dem Denken?
  8. Fühlen Sie sich wertlos?
  9. Haben Sie Schlafstörungen?
  10. Haben Sie einen Appetit- oder Gewichtsverlust?
  11. Können Sie Freude nicht mehr empfinden?
  12. Haben Sie ein Morgentief?
  13. Haben Sie einen deutlichen Libidoverlust?
  14. Neigen Sie zum Weinen?
  15. Fühlen Sie sich häufig verzweifelt und hoffnungslos?
  16. Sind Sie unfähig, Ihren täglichen Aufgaben im Haushalt oder bei der Arbeit nachzukommen?
  17. Haben Sie eine pessimistische Zukunftsperspektive, grübeln Sie über die Vergangenheit?
  18. Sind sie weniger gesprächig?
  19. Fühlen Sie sich unruhig oder gehemmt?

Wenn Sie mehr als 5 dieser Fragen mit "Ja" beantworten können, sollten Sie sich bei ihrem Hausarzt, einem niedergelassenen Nervenarzt oder im Gesundheitsamt vorstellen.

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Manie


Die Manie beschreibt eine vorherrschend gehobene, gereizte Stimmung in deutlich abnormem Ausmaß für den Betroffenen. Sie muss mindestens eine Woche andauern.


Welche folgenden Fragen können Sie mit "Ja" beantworten?

  1. Haben Sie ein gesteigertes Selbstwertgefühl?
  2. Haben Sie Größenideen?
  3. Haben Sie ein vermindertes Schlafbedürfnis?
  4. Sind Sie redseliger als gewöhnlich?
  5. Haben Sie den Drang weiterzureden?
  6. Haben Sie das Gefühl, dass die Gedanken schneller kommen als gewöhnlich?
  7. Sind Sie leicht ablenkbar?
  8. Sind Sie deutlich unruhiger?
  9. Sind Sie aktiver als gewöhnlich?
  10. Haben Sie ein Verhalten an den Tag gelegt, das für Sie unangenehme Folgen hatte? (Geld, Investitionen, Sex usw.)

Wenn Sie mindestens 3 der folgenden Fragen mit "Ja" beantworten können, sollten Sie sich bei ihrem niedergelassenen Hausarzt, einem Nervenarzt oder im Gesundheitsamt vorstellen.

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Panikstörung


Eine Panikattacke ist eine Episode intensivster Angst oder Unbehagens. Sie beginnt abrupt und erreicht in wenigen Minuten ein Maximum und dauert mindestens einige Minuten an.

Große epidemiologische Studien in Deutschland, der Schweiz, Italien, Kanada, Neuseeland, Korea und den USA haben gezeigt, dass durchweg eine hohe Ersterkrankungsrate für die Panikstörung und Agoraphobie besteht.

Bei 2,4%, also bei 2904 Bottroper Bürgern kommt es statistisch gesehen zu mindestens einer Panikattacke in ihrem Leben. 5,7%, also 7000 Bottroper Bürger erkranken mindestens einmal in ihrem Leben an einer Agoraphobie, der so genannten Platzangst.


Welche Symptome der folgenden Liste sind bei Ihnen vorhanden?

  1. Herzklopfen
  2. Schweißausbruch
  3. Fein- oder grobschlägiges Zittern
  4. Mundtrockenheit
  5. Atembeschwerden
  6. Beklemmungsgefühl
  7. Brustschmerzen oder Brustmissempfindungen
  8. Übelkeit oder Unruhegefühl im Magen
  9. Schwindelgefühl oder Unsicherheit, Schwäche oder Benommenheit
  10. Gefühl, die Objekte sind unwirklich oder man selbst ist weit entfernt oder nicht wirklich da
  11. Angst vor Kontrollverlust oder verrückt zu werden
  12. Angst zu sterben

Bevor Sie die Psyche für die Problematik verantwortlich machen, sollten Sie in jedem Fall Ihren Hausarzt oder eine Klinik aufsuchen, die eine organische Ursache, sprich eine Herz- oder Lungenerkrankung oder Stoffwechselstörung, ausschließt. Sind nach dieser Untersuchung keine Hinweise für eine körperliche Erkrankung vorhanden, sollten Sie bei der Bejahung von mindestens 4 Symptomen Ihren Hausarzt, einen Nervenarzt oder das Gesundheitsamt aufsuchen.

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Posttraumatische Belastungsreaktion


Eine posttraumatische Belastungsreaktion ist ein ungewolltes Wiedererleben von Aspekten eines traumatischen Erlebnisses, z.B. in Form von

  • Alpträumen
  • Anzeichen erhöhter Erregung
  • Schreckhaftigkeit und Schlafstörungen
  • Vermeidung von Situationen, Gespräche, die an das Trauma erinnern
  • emotionale Taubheit, z.B. Interesselosigkeit oder Entfremdung von anderen Menschen

Welche der folgenden Fragen können Sie mit "Ja" beantworten?

  1. Liegt das traumatische Ereignis mehr als 6 Wochen zurück?
  2. Welche Symptome der Übererregung liegen bei Ihnen vor?
  3. Schreckhaftigkeit
  4. Schlafstörung
  5. Konzentrationsprobleme
  6. Werden Situationen, Gespräche und Gedanken an das Erlebnis vermieden?
  7. Leiden Sie an Interesselosigkeit, Entfremdung von anderen oder eingeschränkter Zukunftsperspektive?
  8. Hat Ihr Hausarzt oder Psychiater andere Diagnosen wie Depression, Alkohol- oder Substanzmissbrauch, Angststörung, sexuelle Probleme oder körperliche Beschwerden ausgeschlossen?
  9. Leiden Sie an einer Psychose oder einer Abhängigkeit?
  10. Besteht noch eine reale Gefahr?
  11. Gibt es belastende Lebensumstände, die einer Besserung im Wege stehen, z.B. körperliche Beeinträchtigung, finanzielle Probleme, Probleme in der Familie, Probleme bei der Arbeit?
  12. Haben Sie seit dem Ereignis bedeutende Aktivitäten und soziale Kontakte aufgegeben?
  13. Gab es zuvor andere traumatische Erlebnisse?
  14. Gibt es Hinweise auf mangelnde Ärger oder Impulskontrolle?

Sollten Sie eine der Fragen mit "Ja" beantworten können, sollten Sie Ihren Hausarzt oder einen Psychiater aufsuchen.

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Schizophrenie oder Psychose


Bei der Schizophrenie oder Psychose ist die Gesamtpersönlichkeit der Betroffenen verändert. Zu den charakteristischen Symptomen einer akuten Phasen zählen:

  • formale und inhaltliche Denkstörungen (Wahn)
  • Wahnwahrnehmungsstörungen/Halluzinationen
  • Störung beim Empfinden und Ausdrücken von Gefühlen
  • Verflachung der Gefühle
  • Störungen des Selbstgefühls
  • sozialer Rückzug
  • Antriebsarmut
  • Interessenverlust
  • sprachliche Verarmung

Formale Denkstörungen sind dadurch gekennzeichnet, dass die Gedanken von einem Gegenstand zum anderen wechseln, Aussagen ohne sinnvolle Beziehung nebeneinander stehen, der Gedankengang zerfahren ist und die Personen sich in unverständlichen Sprachäußerungen ausdrücken. Der Inhalt der Sprache ist verarmt und trotz langer Rede werden kaum Informationen übermittelt.

Zu den inhaltlichen Denkstörungen zählen verschiedene Wahnphänomene, es besteht häufig Verfolgungswahn oder Beziehungswahn, d.h. Ereignisse, Gegenstände oder Personen bekommen eine besondere, meist negative oder bedrohliche Bedeutung. Des weiteren erzählen Gedankenausbreitung und Gedankenentzug. Der Klient hat das Gefühl, dass die eigenen Gedanken von außen gehört werden können oder dass Gedanken, Gefühle, Handlungen durch eine äußere Macht der eigenen Person eingegeben werden. Gedankenausbreitung oder Gedankeneingebung werden auch als Ich-Störung bezeichnet.

Zu den Wahrnehmungsstörungen und Halluzinationen zählen meist akustische Halluzinationen, d.h. es werden Stimmen gehört, die mit dem Betroffenen sprechen oder die das gegenwärtige Verhalten kommentieren. Häufig sind auch taktile Halluzinationen typischerweise als elektrisierende, kribbelnde oder brennende Empfindungen geäußert.

Affektstörungen zeichnen sich meistens durch eine Verflachung aus, d.h. die Stimme ist ungewöhnlich monoton, das Gesicht unbeweglich und die Klienten klagen über eine unzureichende Gefühlsintensität. Bei dem sog. inadäquaten Affekt stehen Gefühlsäußerungen der Person deutlich im Widerspruch zu dem Inhalt der Worte, z.B. lachen bei traurigem Inhalt.

Zu den psychomotorischen Störungen gehört eine Verminderung der Spontanbewegung. Häufig finden sich sinnlose und stereotype, erregte motorische Bewegungen oder inadäquate und bizarre Haltungen, die eingenommen werden.

Der Antrieb ist meist beeinträchtigt, selbst initiierte und zielgerichtete Aktivitäten nehmen ab. Zwischenmenschliche Beziehungen werden erschwert, der Patient neigt zu sozialem Rückzug und emotionaler Isolierung.

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